Warum viele Hotels im Jahr 2026 noch immer Geld verschenken
Seit Jahren dominiert eine Regel die Vertriebsstrategie vieler Hotels: Die Preise auf der eigenen Website dürfen nicht günstiger sein als auf Online-Reiseportalen wie Booking.com.
Diese sogenannte Rate Parity – auch Bestpreis-Klausel genannt – hat dazu geführt, dass unzählige Hotels ihre Direktbuchungen künstlich unattraktiv gemacht haben. Gäste fanden auf der Hotelwebsite denselben Preis wie auf Booking.com und buchten deshalb häufig direkt über das OTA-Portal.
Doch die rechtliche Situation hat sich in Europa grundlegend verändert.
Mit seinem Urteil vom 19. September 2024 stellte der Europäische Gerichtshof (EuGH) wichtige Grundsätze zur Zulässigkeit von Rate-Parity-Klauseln klar und stärkte den Wettbewerb im Hotelvertrieb.
Trotzdem verhalten sich viele Hotels noch immer so, als würde Booking.com ihre Preisstrategie bestimmen.
Dieser Artikel erklärt, was das Urteil bedeutet, warum Direktbuchungen heute wichtiger sind denn je und wie Hotels ihre Profitabilität nachhaltig steigern können.
Was ist Rate Parity überhaupt?
Rate Parity bedeutet, dass ein Hotel auf seiner eigenen Website keinen günstigeren Preis anbieten darf als auf einer Buchungsplattform.
Beispiel:
- Booking.com: 120 € pro Nacht
- Hotelwebsite: 120 € pro Nacht
Für viele Jahre war dies Standard in der Hotellerie.
Die Idee dahinter war einfach:
Booking.com investiert in Marketing, Technologie und Reichweite. Im Gegenzug sollte das Portal sicherstellen können, dass Gäste dort keine schlechteren Preise finden als direkt beim Hotel.
Für Hotels hatte dies jedoch einen erheblichen Nachteil:
Sie konnten ihre eigene Website kaum als attraktiven Direktvertriebskanal nutzen.
Das EuGH-Urteil vom 19. September 2024
Am 19. September 2024 veröffentlichte der Europäische Gerichtshof sein Urteil in der Rechtssache:
C-264/23 – Booking.com BV gegen 25hours Hotel Company Berlin GmbH und weitere Hotelunternehmen
Der Gerichtshof befasste sich mit der Frage, ob die von Booking.com verwendeten Paritätsklauseln wettbewerbsrechtlich zulässig sind.
Die Richter kamen zu einem wichtigen Ergebnis:
Paritätsklauseln können nicht automatisch als notwendig angesehen werden, um die Tätigkeit einer Buchungsplattform zu ermöglichen.
Damit stellte der EuGH die bisherige Argumentation vieler Online Travel Agencies (OTAs) grundsätzlich infrage.
Das Urteil bedeutet nicht, dass jedes Hotel automatisch jede beliebige Preisstrategie anwenden darf.
Es bedeutet jedoch, dass die frühere Annahme, solche Klauseln seien grundsätzlich notwendig und zulässig, nicht mehr haltbar ist.
Für den europäischen Hotelmarkt war dies ein bedeutender Wendepunkt.
Quelle:
EuGH, Urteil vom 19.09.2024, Rechtssache C-264/23
Warum dieses Urteil für Hotels so wichtig ist
Die meisten Hotels kämpfen heute mit steigenden Kosten:
- Personalkosten
- Energiekosten
- Lebensmittelpreise
- Reinigungskosten
- Marketingkosten
Gleichzeitig steigt der Druck auf die Margen.
In dieser Situation ist jede Buchung entscheidend.
Doch nicht jede Buchung bringt denselben Gewinn.
Die Wahrheit über OTA-Buchungen
Nehmen wir ein einfaches Beispiel.
Zimmerpreis:
150 € pro Nacht
OTA-Provision:
18 %
Das Hotel erhält effektiv:
123 €
Bei zusätzlichen Programmen wie:
- Preferred Partner
- Visibility Booster
- Genius Rabatten
- Sponsored Listings
kann der effektive Kostenanteil sogar noch höher liegen.
Das bedeutet:
Von einer Buchung über Booking.com bleiben oft deutlich weniger Einnahmen übrig als bei einer Direktbuchung.
Warum Direktbuchungen wesentlich profitabler sind
Eine Direktbuchung verursacht in der Regel deutlich geringere Kosten.
Typische Kosten:
- Zahlungsgebühren
- Websitebetrieb
- Buchungsmaschine
- Marketing
In vielen Fällen liegen diese Kosten zwischen 3 % und 10 %.
Vergleicht man beide Kanäle, entsteht häufig ein Unterschied von mehreren Dutzend Euro pro Aufenthalt.
Bei einem Hotel mit mehreren hundert oder tausend Buchungen pro Jahr summiert sich dieser Unterschied schnell auf fünf- oder sogar sechsstellige Beträge.
Warum Gäste trotzdem über Booking.com buchen
Viele Hoteliers stellen sich dieselbe Frage:
"Warum buchen Gäste über Booking.com, obwohl sie unsere Website besucht haben?"
Die Antwort ist einfach.
Wenn beide Angebote identisch sind, gewinnt meistens die Plattform.
Booking.com bietet:
- bekannte Marke
- Millionen Bewertungen
- mobile App
- gespeicherte Zahlungsdaten
- vertraute Benutzeroberfläche
Wenn der Preis derselbe ist, hat der Gast kaum einen Grund, direkt zu buchen.
Der größte Fehler vieler Hotels
Viele Hotels glauben noch immer:
"Wir müssen dieselben Preise wie Booking.com anzeigen."
Oft geschieht dies aus Gewohnheit.
Manche Revenue-Management-Prozesse wurden über Jahre nicht angepasst.
Andere Hotels fürchten noch immer Sanktionen, die in vielen Märkten heute gar nicht mehr in dieser Form existieren.
Das Ergebnis:
Die eigene Website wird lediglich zur Informationsseite.
Gebucht wird anschließend auf Booking.com.
Warum die eigene Website wieder zum Verkaufskanal werden muss
Die Hotelwebsite sollte nicht nur Informationen liefern.
Sie sollte aktiv verkaufen.
Ein Gast, der bereits auf Ihrer Website gelandet ist, hat Interesse an Ihrem Hotel.
Genau in diesem Moment sollte die Direktbuchung attraktiver sein als die Buchung über ein OTA.
Muss der Preis zwingend niedriger sein?
Nein.
Viele erfolgreiche Hotels arbeiten heute mit Mehrwerten statt Preisnachlässen.
Beispiele:
- kostenloses Frühstück
- kostenloses Parkplatzangebot
- Late Check-out
- Early Check-in
- kostenloses Zimmerupgrade
- Willkommensgetränk
- Spa-Gutschein
- Restaurantgutschein
Der Gast erhält einen klaren Vorteil.
Das Hotel schützt gleichzeitig seine Preisstruktur.
Der wahre Wert einer Direktbuchung
Der finanzielle Vorteil ist nur ein Teil der Geschichte.
Mindestens genauso wichtig sind die Gästedaten.
Bei einer Direktbuchung besitzt das Hotel:
- E-Mail-Adresse
- Kundenhistorie
- Kommunikationsmöglichkeiten
- Marketingpotenzial
- Wiederbuchungspotenzial
Aus einer Direktbuchung kann ein Stammgast entstehen.
Bei einer OTA-Buchung bleibt die Beziehung häufig deutlich schwächer.
Die langfristige Gefahr einer OTA-Abhängigkeit
OTAs sind wichtige Vertriebspartner.
Kein Hotel sollte vollständig auf sie verzichten.
Das Ziel ist jedoch nicht maximale OTA-Auslastung.
Das Ziel ist ein gesunder Vertriebsmix.
Wenn 80 bis 90 Prozent aller Reservierungen über externe Plattformen kommen, entsteht eine gefährliche Abhängigkeit.
Das Hotel verliert:
- Kontrolle über Kundendaten
- Kontrolle über Marketing
- Kontrolle über die Kundenbeziehung
- Verhandlungsmacht
Was Hotels jetzt konkret tun sollten
1. Preisstrategie überprüfen
Analysieren Sie Ihre aktuellen Preise auf:
- Website
- Booking.com
- Expedia
- HRS
- anderen Vertriebskanälen
2. Direktbuchervorteile schaffen
Geben Sie Gästen einen nachvollziehbaren Grund, direkt zu buchen.
3. Die Website optimieren
Viele Hotelwebsites sind noch immer nicht auf Conversion ausgelegt.
Wichtige Faktoren:
- schnelle Ladezeiten
- mobile Optimierung
- einfache Buchungsprozesse
- transparente Preise
4. Wiederkehrende Gäste aktiv fördern
Direktbuchungen schaffen die Grundlage für Loyalität und Stammgäste.
5. Vertriebsmix analysieren
Messen Sie regelmäßig:
- Anteil OTA-Buchungen
- Anteil Direktbuchungen
- durchschnittliche Vertriebskosten
- Nettoumsatz pro Kanal
Die Zukunft gehört den Hotels, die ihre Direktbuchungen stärken
Das EuGH-Urteil vom September 2024 hat gezeigt, dass sich der europäische Hotelmarkt verändert.
Hotels erhalten mehr Spielraum, ihre eigene Vertriebsstrategie zu gestalten.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht:
"Was erlaubt Booking.com?"
Sondern:
"Wie können wir unsere profitabelsten Buchungen erhöhen?"
Denn jede Direktbuchung bedeutet:
- höhere Marge
- stärkere Kundenbindung
- mehr Kontrolle
- mehr Unabhängigkeit
Hotels, die diese Chance nutzen, werden in den kommenden Jahren einen deutlichen Wettbewerbsvorteil haben.
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Mit integrierter Buchungsmaschine, Online-Zahlungen, automatisierter Gästekommunikation und einer modernen Buchungserfahrung können Hotels ihre Abhängigkeit von OTAs reduzieren und ihre Profitabilität nachhaltig steigern.
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